Tiermedizin

Kolik beim Pferd
Der Begriff Kolik steht für keine exakte Diagnose, sondern wird für alle schmerzhaften Zustände im Bauchraum des Pferdes verwendet. Je nach Ursache können sich schnell lebensbedrohliche Zustände entwickeln. Deshalb ist es für jeden Pferdefreund elementar wichtig, erste Vorboten einer Kolik zu erkennen, um dann rasch einen Tierarzt herbei rufen zu können. Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher, Tierärztin, aktion tier-Büro München

Woran erkennt man eine Kolik? Häufiges Auf- und Niederlegen, Schweißausbruch ohne Arbeit, Scharren mit den Vorderhufen, vermehrtes Wälzen und mangelnder Kotabsatz oder seltener auch Durchfall können erste Anzeichen einer sich entwickelnden Kolik sein. In anderen Fällen stehen die Tiere ruhig und strecken Kopf und Hals nach vorne aus oder flehmen. Auch häufiges „sich-umsehen“ zum Bauch oder Treten gegen denselben deuten auf ein Kolikgeschehen hin. Insbesondere wenn mehrere dieser Verhaltensweisen gleichzeitig auftreten, liegt der Kolikverdacht nahe.
Was ist zu tun? Die Fütterung des Tieres muss umgehend eingestellt werden. Heu und Stroh sind aus der Box zu entfernen. In jedem Stall sollte immer die Nummer des behandelnden Tierarztes griffbereit sein. Bei ersten Kolikanzeichen muss er gerufen werden. Möchte man sich für alle Eventualitäten rüsten, ist es ratsam, jederzeit einen fahrbereiten Pferdeanhänger auf dem Hof zu haben. Diese Maßnahme gewährleistet, dass man das kranke Pferd umgehend in eine Tierklinik transportieren kann. Kolikpatienten können dort lückenloser überwacht werden als dies im Stall möglich ist, auch wenn zunächst nicht operiert werden muss. In der Klinik kann das gesamte technische Instrumentarium genutzt werden, um z.B. Blutuntersuchungen durchzuführen und nicht zuletzt sind die betroffenen Pferde für den Fall, dass doch operiert werden muss, gleich am Ort des Geschehens.
Die Überwachung in der Klinik muss nicht zwangsläufig teurer sein. Wenn auf der Gegenseite der Haustierarzt mehrmals anfahren muss, laufen auch bei der Behandlung im Stall Kosten auf, die sich in vergleichbaren Größenordnungen bewegen. Einige Fachleute raten, das Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes zu führen. Andere lehnen dies ab. Die Fachwelt ist zudem geteilter Meinung, ob man zulassen solle, dass sich die Tiere wälzen oder nicht. Der Zwiespalt besteht darin, dass es einerseits möglich wäre, durch das Führen und Wälzen etwaige Darmverschlingungen zu lösen, andererseits können die potentiellen Verdrehungen durch Bewegung noch zunehmen. Es erscheint sinnvoll, in diesem wissenschaftlich nicht geklärten Zusammenhang das zuzulassen, was das Pferd möchte, um es nicht zusätzlich zu belasten.
Was passiert, wenn der Tierarzt kommt? Zunächst wird das Pferd vom Tierarzt im Stall untersucht. Dazu wird das Pferd rektal abgetastet. Die Befunde im Bauchraum helfen dem Tierarzt die Ursache der Kolik zu finden. Puls- und Atemfrequenz, Farbe der Schleimhäute und Qualität der Darmgeräusche ergänzen die Befunderhebung. Dann wird eine Nasenschlundsonde geschoben, um Aufschluss über den Mageninhalt zu bekommen und wenn nötig einen Teil zu entfernen. Später kann über diese Sonde ggf. Öl eingeführt werden, um den Darm durchgängig zu machen. Nun wird entschieden ob konservativ ? also u.a. mit krampflösenden und schmerzstillenden Medikamenten ? behandelt werden kann oder aber, ob operiert werden muss.
Wie geht es weiter? Sollte es nötig sein, das Pferd in eine Klinik zu überführen, wird das weitere Vorgehen mit den behandelnden Tierärzten besprochen. Bleibt das Tier im Stall, ist eine engmaschige Beobachtung des Patienten von Nöten. Erst nach einigen Tagen beschwerdefreier Zeit und nach genauer Beobachtung des Krankheitsverlaufs kann Entwarnung gegeben werden.
Wie kann man prophylaktisch eine Kolik verhindern? Pferde sollten regelmäßig entwurmt werden, da auch Parasiten Koliken verursachen können. Abrupte Futterumstellungen sind zu unterlassen, vor allem beim Weideaustrieb. Futter muss vor Verabreichung wenigstens grobsinnlich einer Qualitätskontrolle unterzogen werden. Anstrengung sollte unterbleiben. Stressfaktoren, z.B. auf Reitturnieren sind möglichst gering zu halten. Der Zugang zur Futterkammer muss gut gesichert sein. Große Mengen Futter führen zur Magenüberladung und können Auslöser einer Kolik sein. Bei Witterungsumschwüngen sind Pferde besonders sensibel und dementsprechend zu handhaben. Vergiftungen und Infektionskrankheiten können Koliken mit verursachen und sollten durch den Besitzer durch entsprechende Fütterung bzw. Impfungen ausgeschlossen werden. Regelmäßige Bewegung trägt zur Ausgeglichenheit bei und kann deshalb auch als Prophylaxemaßnahme gewertet werden.